Christchurch.NZ. (Press.co.nz) GO. Musik Arts Film. 30. September 2011

"Aus deutscher Sicht"

Anlässlich des Besuchs der deutschen Tänzerin Riki von Falken erzählt sie Philip Matthews über die Auswirkungen eines Erdbebens und einer überraschenden Neil- Dawson-Skulptur auf ihre Arbeit.

Die deutsche Tänzerin Riki von Falken ist an einem Tisch im Underground Coffee, Sydenhann, mit der in Deutschland geborenen, Lyttelton-Journalistin Anke Richter. Von Falken hat eine kulturell sensible Frage: Wäre es “sehr deutsch "von ihr, das Café-Personal zu bitten, die Musik leiser zu drehen, bevor der Interviewer-Rekorder läuft? Ihr wurde erzählt, das sei so. In Neuseeland würden nur die Tische verschoben. Diese Idee des,, Deutsch-Seins " - bin ich einfach direkt oder bin ich penetrant? - ist etwas, sowohl von Falken und Richter, die als Übersetzerin fungiert, worauf wir zurückkommen. Es wird sogar ein Running-Gag. Richter erklärt, dass ihr kürzlich erschienenes Buch ganz selbstironisch von den Deutschen und ihrem nationalen Komplex handelt. Und was ist der deutsche Nationalkomplex? „Komm schon! Wo fangen wir an?" Von Falken Englisch ist passabel, aber ihre schwierigen Konzepte lassen sich leichter in deutscher Sprache vermittelt. Sie liebt es zu schreiben, wenn sie ihre Arbeit plant, sich auf Details fokussierend, sogar neue Worte kreierend. Wenn sie andere Tänzer choreographiert, geht es nicht nur um die Bewegungen, die sie den Tänzern abverlangt, sondern um eine poetische oder philosophische Untermauerung. „Du musst eben so viel mit der Sprache wie auch mit dem Körper arbeiten ", sagt Richter zusammenfassend.

Im August letzten Jahres kam von Falken als Resident Künstler im Arts Centre nach Christchurch. Der Plan war, dass sie mit der Southern Lights Company an einem Stück für das Body Festival 2010 arbeiten werde. Aber das Erdbebens am 4. September setzte diesem Vorhaben ein Ende. Sie war an diesem Morgen in einem Loft im Arts Centre. Sie wurde durch den Klang des Bebens, gefolgt von einer Stille, aufgeschreckt. Danach schien alles das gleiche, war aber völlig anders. “Der Raum hatte sich nicht wirklich verändert, aber es gab eine Stille. Die Stille war wie ein Abgrund." Sie ging hinaus. Traf einen Bäcker, der gerade mit einem heißen Ofen gearbeitet hatte, als das Beben zuschlug, er war geschockt und sie versuchte, ihn zu trösten. Sie sah hoch: „Wir standen am Fuße dieses Hauses von Neil Dawson". Die Arbeit des Skulpteurs Neil Dawson von 1981 mit dem Titel ECHO wurde durch das Arts Centre gesperrt. Es war eine spezielle Zeichnung eines Gebäudes, welche mit dem Auge des Betrachters bezogen auf die Wahrnehmung von Raum spielte. „Das Haus von Neil Dawson ist tatsächlich mein Bild von dem Erdbeben ", sagte sie. „Ich fühlte mich tatsächlich mit dem Bild verbunden. Ich dachte, meine Arbeit ist ein Echo meiner Erfahrungen mit dem Erdbeben. Raum kann brechen, nicht wahr? " Wenn von Falkens Arbeit an diesem Wochenende gezeigt wird, ein Jahr nach dem das Body Festival 2010 abgesagt wurde, wird ihr Foto von ECHO über dem Arts Centre gezeigt werden, innerhalb des Performance-Bereichs des Geo Domes.
Ihre Arbeit spielt mit der Architektur. Die Taue bilden manchmal horizontale und vertikale Linien, begrenzen Raum. Es gibt eine Parallele zwischen dem Raum, den wir bewohnen, und dem Körper -,, Mein Körper mein begrenzter Raum" - und sie spricht oft von der ,,body language" in ihrer Arbeit, vielleicht ohne eine Bewusstsein, über die englischen Nebenbedeutungen.

Nach dem September-Beben, blieb sie für sechs Wochen in New Zealand. Sie reiste kurz nach Norden, um einige Lehraufträge an der New Zealand School of Dance in Wellington durchzuführen. „Eine brillante Schule", sagte sie. „Das technische Niveau ist so hoch. Sie waren so offen für mich." Jetzt in ihren 50ern, von Falken trainierte für neun Jahre klassisches Ballett, im Alter von 9 bis 18, bevor sie sich “unabhängig" davon machte. Während sie in New York in ihren 20ern mit Merce Cunningham trainierte, dann nach Deutschland zurückkehrte. Solo-Tanz ist seit 1989 seit ihre künstlerischen Ausdrucksform. In einer Online-Biographie sagt sie, ihren frühen Solo-Stücke seien durch ihr Interesse an der Bildenden Kunst und Architektur beeinflusst". WHITE LINEN (2000), WACH (2001) und ONE MORE THAN ONE (2003) sind Werke von radikaler Introspektion. „Sie verarbeiten persönliche Erfahrungen und die Konfrontation von Leben und Tod." Eine neueres Stück, ist das 2009 uraufgeführte GEOMETRY OF SEPARATION und erforscht die Problematik der Abgrenzung "
Da die Produktion mit einheimischen Tänzern in Christchurch erarbeitet wird, wird das gesamte Southern Lights Programm - darunter Werke von Fleur de Thier und Maria Dubrowska --- bei dem Tempo Festival in Auckland gezeigt werden. „‘New-Zealand-Menschen‘ sind so offen für die Kunst", sagte sie auf die Frage nach potentiellem Publikum-Zuspruch. Doch auch in Berlin, könne das Publikum unberechenbar sein. „Es ist eine Herausforderung die ganze Zeit in Kontakt mit dem Publikum zu sein. Und es ist nicht wirklich wichtig. Wenn ich auf der Bühne bin, habe ich eine Art von Beziehung, sicher - ich kann nicht in meinem Wohnzimmer tanzen, ohne den Kontrapunkt aus dem Publikum." Und was hat sie aus New-Zealand-Tanz genommen? Wieder eine erfrischend deutsche Direktheit: es erscheint, dass all ihre Arbeit, irgendwie als „old-fashioned "gemessen an europäischen Standarts oder als als bloße Unterhaltung verstanden werden kann. „Unterhaltung ist gut, aber es ist kein künstlerischer Weg", sagt sie. „In Neuseeland braucht es andere Sichtweisen“.

2011: Southern Lights Dance Company, Geo Dome, heute Abend und 1. Oktober.


Christchurch. New Zealand. 1. Oktober 2011

Tanz voller Energie

Southern Lights Dance Company, 30. September und 1. Oktober 19.30 Uhr, The Body Festival, Geo Dome, Christchurch Entertainment Village, North Hagley Park.

von Andrew Paul Wood.

Spektakulär. Das ist das Wort für Southern Lights neuestes Angebot. Futter sowohl in erstaunlicher Art und Weise als auch als Superlativ. Die talentierten Tänzer Aleasha Seaward, Andrew Miller, Erica Viedma, Hannah Tasker-Polen, Julia McKerrow und Julia Milsom zeigen einen erstaunlichn Job, voller Energie und Elan. Die Show gliedert sich in drei Abschnitte. Der erste, ECHO (vermutlich eine Anspielung auf Neil Dawsons Skulptur, deren Bild auf die Körper der Tänzer projiziert wurde) choreographiert von der deutschen Choreografin Riki von Falken. Hier gab es bewusst etwas Mechanisches in den Bewegungen zu erkennen, gemischt mit akademischen Haltungen und schwachen Anregungen aus Leni Riefenstahls Fotografien.

Christchurch darf sich unglaublich glücklich schätzen, die Southern Lights Company und das Body Festival zu haben, vor allem für diejenigen von uns, die Rugby lieben, aber auch eine Kultur Pause brauchen.


theatreview.org 2. Oktober 2011

Quellen von Kultur, Wissenschaft, Spiritualität

2011 - Southern Lights Dance Company

Choreographen: Riki von Falken, Maria Dabrowska, Fleur de Thierbei

von Paul Young

Kultur, Wissenschaft und Spiritualität sind die Quellen, aus denen diese Choreographen (und alle anderen) Material für ihre Arbeit schöpfen. Das Potenzial ist unendlich, und manchmal ist leider auch das Gemälde auf die Palette geworfen (und wir alle wissen, was passiert, wenn zu viele Farben sich mischen). Hier haben wir zwei 30-Minuten-Werke, welche sich mit beiden Polen (mit sich polarisierenden Seiten) des Tanz-Spektrums beschäftigen. Die meisten Zuschauer werden auch an beiden Ende dieser Skala sitzen, als Kredit an einem Ende, um Schaden für die andere zu sein. Ein drittes kurzes Stück stellt einen Drehpunkt für die beiden längeren Stücke dar.

Riki von Falken und ich haben etwas gemeinsam.

Am 4. September 2010 wurde sie stehend erschüttert unter Neil Dawson 1981 Skulptur "ECHO". Die Skulptur echote ihre Erfahrung, dass die Grenze zwischen positivem und negativem Raum gebrochen wurde. Am 22. Februar 2011 wurden die Gebäude der zentralen Christchurch um mich herum erschüttert. Neil Dawson 2009 Skulptur "Skylens“ hing über mir wie die himmelblaue Iris eines Auges. Meine Empfindung des Raumes war, dass er gebrochen wurde und neu definiert, und das ist meine bleibende Erinnerung von diesem Tag. Und nun ist Brüchigkeit des Raumes ist das Thema von Falkens meisterhafter neuer Arbeit Echo I.

Dies ist ein schwieriges Stück, um darüber zu schreiben und für einige, schwer zu sehen, da solch reine Abstraktion keine gewohnte Form hier ist. Für mich ist es der Anstoß zu sein, für einen Bereich, in dem es dem Tanz gelingt sich unabhängig vom Theatralen zu machen, aber immer noch lebendig und humanistisch. Zwar mag es scheinen, dass die Arbeit allein auf kontrastierenden Binärwerte basiert, sowohl inneren als auch äußeren, das ist eine Vereinfachung. Aber aufrüttelnd ist die Strömung zwischen den Polen, die Verwendung von mittlerem Boden.

Definiert durch die Integration von Raum, Körper-und Energiearbeit, gibt Echo I „eine äußere Form für internen Impulse ". Bewegung und Pfad erscheinen abwechselnd gasförmigen und kristallinen Charakter zu haben. Die Tänzer bewegen sich gestisch und in der Haltung mit großer Klarheit, sparsam verfeinert: ihren Fokus ist biegsam und tentakelartig.

Die Klarheit der Bewegung und deutlich zuw:LsdException Locked= beobachtenden räumlichen Parameter weben etwas fast greifbares aus dem leeren Raum.

Eine skulpturale Form ist wunderschön über der Bühne projiziert und sorgt für einen konstanten Bezugspunkt. Dessen Linien wiederum werden durch eine blaue Schnur an der Vorderseite des Raumes aufgenommen. An Rückseite der Bühne gibt der geöffnete Vorhang den Blick frei auf einen Ort der Knochen und des Gerölls, eine Halbierung der Struktur, die darauf hindeutet, dass Rekonstruktion und Dekonstruktion die beiden Spielgelbilder ein und desselben Prozesses sind. Ich beobachte genau, was in dem Raum passiert da die Grenze zwischen positiven und negativen Raum in Frage gestellt wird und hoffe, Zeuge eines Durchbruchs zu werden. Skulpturales Licht schafft eine Textur und, ironischerweise verursacht die untergehende Sonne das Bühnenlicht die Performer allmählich „unterzugehen“.

Die Tänzer zeigen eine Verbindung, eine bewusste Relativität, manchmal scheinbar einander auszulösen. Sie beobachten einander, ich spüre ihre Investition, aber es steht nichts auf dem Spiel. Sie warten darauf, eine Entscheidung zu treffen, aber es gibt keine Erwartung. Das ist Präzision. Ich war in abstrakten Arbeit bereits vor diesem Besuch involviert, aber wie diese Qualität von scheinbar leichter Synchronität erreicht wid, weiß ich nicht. Es gibt keine Beats oder Beat oder Impulse in der Klangwelt - die Partitur beschwört Bilder von Regentropfen, elektrischen Blasen, klimpernden Glasketten, und alarmierenden Hammerschläge (wir alle stürzen uns darauf).

Riki von Falken war Solistin während ihrer Karriere, und ich würde gerne sehen, wie ihre Choreographie sich in ihren Solos manifestiert. Gemessen an Echo I, wird es eine reiche Arbeit sein, und ich würde gerne mehr davon sehen. Ich denke zurück an das, was sie hier zeigte und lektoriere meine Versuche, diesem einen Sinn zu geben, als ich plötzlich merke, dass ich völlig verstehe. Der Ausdruck der Bewegung ist die nachhaltige Idee, statt irgendwelcher Informationen über die Bewegung selbst. Ich bin sicher, von Falken Residenz im Rahmen von Southern Lights 2011 wird gleichermaßen eine positive Auswirkung auf die Qualität des Christchurchs Tanz, Tänzer und das Publikum haben. Und Dank auch an Neil Dawson für die Inspiration und Schutz.


theatreview.org Auckland 5. Oktober 2011

Unbezähmbare “cantabrian” Tänzer

TEMPO Dance Festival 2011

2011 - Southern Lights Dance Company

Choreographen: Riki von Falken, Maria Dabrowska, Fleur de Ihre

von Jenny Stevenson

Es ist der Beweis für den unbeugsamen „cantabrian“ Geist, den nicht nur die in Christchurch-basierte Southern Lights Dance Company produzieren konnte, indem sie eine Saison Arbeit bei dem Body and Tempo Festival präsentierten - sie haben auch tapfer gewählt, einen Tanz zu schaffen, der eine beunruhigende Erinnerung an die Turbulenzen, die sie vor so kurzer Zeit erlebten, darstellt.

Die Eröffnung der Arbeit, „Echo“ von der deutschen Choreografin Riki von Falken zeigt eine Untersuchung des sich um die Tänzer bewegenden Raumes - -in dessen Folge sich der Tänzer durch den Raum bewegt. Die Arbeit wurde von der Neil Dawson Skulptur „Echo“ inspiriert, welche die Frage aufwirft: „Wann ist ein Haus kein Haus?“ - was in diesem Fall beantwortet werden beantwortet könnte: "wenn es im Raum aufgehängt wurde.“

Sie könnte auch verstanden werden als Umkehrschluss auf das Prinzip eines festes Hausfundaments – und natürlich in Sinne seiner jüngsten Manifestation - mit Hilfe der Eruptionen in unzähligen Straßen in ganz Christchurch. Aber die Skulptur, welche auf der Bühne auf einem Prospekt gezeigt wird, enthält weitere Hinweise zu wankelmütigen Perspektiven und linearen Illusionen.

Auf einer Bühne, welche sorgfältig auf beiden Seiten mit blauen Band und einem vertikalen definiert wird - drei Tänzerinnen, Julia Milsom, Aleasha Seaward und Hannah Tasker-Polen -, beginnt eine gnadenlose Auseinandersetzung mit dem Raum, mit einer Vorwärts-und Rückwärts-Trajektorie mit minimalen Richtungsschwankungen. Die Bewegungen werden oft durch die Arme, die die Luft schneiden in präzisen Schlägen, während der Oberkörper und Beine die Gestalt vollenden, eingeleitet - fast nebenbei.

Von Falkens europäische Sensibilität ist eine Überraschung. Die geometrischen Formen und die Verwendung von hörbarem Atmen, um die Bewegungen zu rhythmisieren - mit seiner haltenden und enthaltenden Dynamik – ist zunächst schwer zu verarbeiten. Aber der Moment ist konstruiert, Schicht um Schicht bis zu der Stelle, an der es fast unmöglich ist, ihn aufrechtzuerhalten. Die Dezentralisierung ist subtil und hinterlässt ein Gefühl der zurück auf Start geworfen zu sein.

Die Musik von lannis Xenakis, John Cage und Luc Ferrari ist auf ihre je eigene Weise verstörend. Störgeräusche mit gelegentlichem melodischem Unterton bildet die Geräuschkulisse des Unbehagens, untermauert weite Teile der Inszenierung. Die Fokus der Tänzer gerät nie ins Wanken und gemeinsam zeigen sie eine starke Leistung, die auf ihre Fähigkeit zu kontrollieren verweist und platzieren vorsichtig jede Bewegung, halten komplexe Muster. ...

 


Herald Online
Tanz-Kritik: Tempo Dance Festival 2011
Eine Szene aus dem Tempo Dance Festival 2011
von Raewyn White

 

Eine Vielfalt von aufregendem und technisch versiertem Tanz wurde in den ersten fünf Tagen des Tempo Dance Festivals 2011 gezeigt, jetzt ist die Hälfte des Festivals um.

Die in Christchurch ansässige Southern Lights Dance Company präsentiert ein disparate, aber gut durchgeführtes Trio von Werken in ihrer Show 2011
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Die dritte Arbeit, die bei weitem anspruchsvollste, von denen die während der gesamten Woche zu sehen waren im „Tempo“, das konsequent abstrakte „Echo“ von der deutschen Choreografin Riki von Falken.

„Echo I“ wurde eindrucksvoll von Julia Milsom, Aleasha Seaward und Hannah Tasker-Polen getanzt, mit einer ruhigem, bedächtigem Tempo, mit präzisen Gesten und wiederholten Phrasen, welche sich langsam in verschiedenen Abschnitten der Produktion veränderten, das Aufgehen im pechschwarzen Raum, in welchem sie sich bewegen äußern, nur von einem blauen Seil begleitet, welches eine Ecke des Raumes markiert.

Es fühlte sich ganz stark so an, als sei die Botschaft des Tanzes, dass es kein solches Ding gäbe, wie den persönlichen Raum, oder einen bestimmten Raum. Und doch können wir tanzen.

 

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